Zukunftsforschung und Strategieberatung

Sie sind hier:   Startseite > Mitteilung > Was ist Zukunftsforschung? > Vielzahl der Ansätze
Lehr- und Fachbücher

pdfIn die Zukunft führen - Strategieentwicklung mit Szenarien

H. G. Graf; G. Klein, Mai 2003, Verlag Rüegger, Chur/Zürich

ISBN: 978-3-7253-0746-3

...und in Zukunft die Wissensgesellschaft - Der Umgang mit Wissen im Entscheidungsprozess

H. G. Graf, 2001, Verlag Rüegger, Chur/Zürich

ISBN: 978-3-7253-0705-0

pdf Economics & Management - Zusammenhänge der Wirtschaftswelt

H.G. Graf, 2005, Verlag Rüegger, Chur und Zürich

ISBN: 978-3-7253-0806-4

Vielzahl der Ansätze

Die Beschäftigung mit der Zukunft reicht weit ins Altertum zurück. Der älteste bekannte Zukunftsforscher ist das Orakel von Delphi. Das bekannteste Werkzeug ist die Glaskugel. Heute sind es vor allem heuristische Verfahren, statistische Analysen, numerische Modelle und Szenarien, um Informationen über die Zukunft zu generieren. Die wichtigsten Hilfsmittel sind die Verfahren der empirischen Sozialforschung (Befragungen, Ökonometrie, Statistik) und der Computer als Instrument der Datenverarbeitung. Heuristiken nutzen einfache Bekanntheitskriterien, um eine Entscheidung über zukünftige Entwicklungen zu begründen: Kauf einer bestimmten Aktie, weil ich den CEO kenne, weil ich die Produkte der Unternehmung häufig nutze oder weil mich deren Werbung besonders anspricht. Vertrautheit als Investitionskriterium an der Börse ist nachweislich ebenso erfolgreich, wie die Auswertung von Unternehmensdaten, Börsenbriefen oder sonstigen Analyseergebnissen. Heuristiken bieten schnelle Entscheidungskriterien, da der Entscheider auf einfache, persönliche Erfah- rungsmuster zurückgreift.

In der Marktanalyse werden aktuelle Informationen am Markt abgefragt (Telefon, direkte Befragung, Verkaufszahlen, Einschaltquoten, Data-mining....). Eine Aus- wertung erfolgt über prozentuale Anteile und den Rückschluss von dieser – als repräsentativ erachteten – Stichprobe auf die Grundgesamtheit. Auf diese Weise wird das aktuelle Empfinden einer größeren Zahl von Einzelpersonen als Grundlage für weitere Entscheidungen genutzt. Hier lässt sich der Rückschluss auf die Zukunft mit Eintretenswahrscheinlichkeiten begründen – die tatsächlich eintretende Zukunftsausprägung bleibt davon jedoch unabhängig. Marktbeobachtungen werden in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft durchgeführt. Augenfällig für den Bürger wird diese Technik insbesondere im Vorfeld von Wahlen. Sie können jedoch nur sehr kurzfristige Rückschlüsse ermöglichen.

Univariate Prognosen liefern, ebenso wie die Marktforschung, mit statistischen Methoden eine Aussage über die Zukunft. Diese Vorhersage wird durch eine lineare Verlängerung von Informationen (Betriebskennzahlen, Umsätze, ...) aus der Vergangenheit für die Zukunft abgeleitet. Voraussetzung ist natürlich, dass Daten aus der Vergangenheit vorliegen, die dazu geeignet sind, eine entsprechende Aussage über die Zukunft abzuleiten. Die Eignung der Vergangenheitsdaten für die Vorhersage hängt wesentlich davon ab, dass die Rahmenbedingungen, welche die Vergangenheitsdaten prägten, auch in der Zukunft ebenso prägend sein werden. Eine Bewertung der Prognostik kann sich daran orientieren, dass Heuristiken als Entscheidungsgrundlage keine signifikant schlechteren Ergebnisse liefern. Bekannte Bespiele für solche Prognosen sind Chartanalysen für Branchenumsätze oder Börsenkurse.

Multivariate Prognosen beruhen gegenüber den univariaten Ansätzen auf der Analyse von Zusammenhängen, häufig quasi physikalischen Grundgleichungen. In einer umfangreichen Modellformulierung werden die Rahmenbedingungen für den natürlichen oder aktuellen Grundzustand festgelegt und die physikalischen Grundgleichungen gelöst, mit denen die nachfolgenden Entwicklungen in vorherbestimmten Zeitschritten berechnet werden. In der Abfolge mehrerer Rechenläufe nähert sich das Modell dem Zeitpunkt an, für den eine Vorhersage gesucht wird. Voraussetzung hierfür ist, dass die vorherzusagende Fragestellung auf physikalischen Prozessen beruht und in entsprechenden Gleichungen beschrieben werden kann. Ein alltägliches Beispiel für numerische Modelle sind Wettervorhersagen. Die Zuverlässigkeit dieser Vorhersagen wird stetig durch zusätzliche Informationsquellen und leistungsfähigere Computer verbessert. Die Genauigkeit der Vorhersage wird geringer mit zunehmender Länge des Vorhersagezeitraumes. In der Praxis kombinieren viele Menschen die Informationen aus der Wettervorhersage mit der persönlichen Bewertung durch einen aktuellen Blick in den Himmel („... ich glaube, ich nehme doch besser einen Regenschirm mit“).

Die Trendforschung versucht, die wesentlichen Zukunftslinien zu identifizieren. Da der Betrachtungszeitraum meist deutlich über vorhersagbare Zeiträume hinausreicht, wird die persönliche Einschätzung mit analytischen Verfahren kombiniert. Zum Einsatz kommen vor allem heuristische Überlegungen, Marktanalysen, empirische Untersuchungen und Expertenbefragungen (z.T. Delphi-Technik). Bei der Trendforschung ist die Trennlinie zwischen orakeln und prognostizieren schwer zu bestimmen und frei fließend.

Schließlich gibt es die eigentliche Methode der Zukunftsforschung: Die Szenario- Technik. Hier geht es nicht um eine Vorhersage, wie etwas in der Zukunft sein wird oder mit welcher Wahrscheinlichkeit sich diese Zukunft entwickeln wird. Bei der Szenario-Technik geht es vielmehr darum, mögliche Entwicklungen der Zukunft abzubilden und sich diese zu vergegenwärtigen. Diese Zukunftsbilder vereinfachen die Auswahl eines Weges und der Hilfsmittel zur Erreichung eines anvisierten Zieles. Die Szenario-Technik ist somit ein Hilfsmittel der Entscheidungsfindung, um trotz der Unvorhersagbarkeit von Zukunft Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Der Zeithorizont von Szenarien ist grundsätzlich langfristig ausgerichtet, wobei es darum geht, zu erfassen, welche Möglichkeiten die Zukunft bereit hält, um sich einerseits an unterschiedliche Entwicklungen rechtzeitig anpassen zu können, andererseits aber auch wünschbare Entwicklungen herbeizuführen.

Powered by CMSimple_XH | Template by CMSimple_XH | test (X)html | test css | Login