Zukunftsforschung und Strategieberatung

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Lehr- und Fachbücher

pdfIn die Zukunft führen - Strategieentwicklung mit Szenarien

H. G. Graf; G. Klein, Mai 2003, Verlag Rüegger, Chur/Zürich

ISBN: 978-3-7253-0746-3

...und in Zukunft die Wissensgesellschaft - Der Umgang mit Wissen im Entscheidungsprozess

H. G. Graf, 2001, Verlag Rüegger, Chur/Zürich

ISBN: 978-3-7253-0705-0

pdf Economics & Management - Zusammenhänge der Wirtschaftswelt

H.G. Graf, 2005, Verlag Rüegger, Chur und Zürich

ISBN: 978-3-7253-0806-4

Was ist Zukunftsforschung?

Von Prof. Dr. Hans Georg Graf

Entscheid bedingt Vorschau

Die Aufgabe des Managements (einer Unternehmung, in der Verwaltung, in Verbän- den etc.) ist im Wesentlichen eine zweifache: einerseits geht es um Menschenführung, andererseits bedeutet Führen Entscheiden. Entscheidungen treffen hat erneut zwei Seiten. Zum einen ist jeder Entscheid zukunftsbezogen: man will etwas erreichen, das in der Zukunft liegt bzw. man will sich an etwas anpassen, das in der Zukunft erwartet wird. Zweitens benötigt man – wenn man verantwortungsbewusst entscheiden will – Informationen sowohl über die Vergangenheit (wo man herkommt), die Gegenwart (wo stehe ich?), insbesondere aber über die Zukunft (was sind mögliche Entwicklun- gen? Wo will ich hin?). Ohne Vorschau ist keine Entscheidung möglich. Auch der Entscheid, nichts zu tun, basiert auf einer Vorhersage, nämlich, dass alles so bleibt, wie es ist.

Zu diesem Sachverhalt herrscht im Kreis der ernsthaften Zukunftsforscher eine geradezu erstaunliche Einmütigkeit. Dies gilt insbesondere für die Feststellung, dass die Zukunftsforschung keine Vorhersage in dem Sinne anstrebt, was dem Einzelnen, einer Organisation oder einem Land auf lange Sicht bevorsteht. Allerdings kann auch festgestellt werden, dass die meisten Zukunftsforscher in dieses Fachgebiet eingetreten sind, weil sie von der Hoffnung, häufig sogar vom festen Glauben ausgingen, dass es möglich sein müsste, die Zukunft vorherzusagen, wenn man nur die richtige Theorie, Methoden, Daten und natürlich genügend Geld zur Verfügung hat. Ursprünglich habe ich wahrscheinlich auch so gedacht, wahrscheinlich in hohem Maße beeinflusst durch die Revolution in der Verhaltensforschung und in den politischen Wissenschaften Anfang der 70er Jahre mit ihrem Schwergewicht auf quantitativen Methoden und formaler Modellisierung. Diese Vorstellung herrschte sowohl in den westlichen Kulturkreisen, ließ sich aber auch in Osteuropa beobachten.

Heute ist festzustellen, dass keiner der ernsthaften Zukunftsforscher diese Auffassung noch vertritt. Zwar kann unterstellt werden, dass es mit verbesserten theoretischen Ansätzen, vertieftem Faktenwissen und der Leistungsfähigkeit moderner Datenverarbeitung möglich ist, die Auswirkungen starker gesellschaftlicher, demographischer oder technologischer Trends in der Zukunft in Umrissen besser zu erkennen als das früher möglich war. Praktisch alle Autoren bestehen allerdings – ebenso wie ich – darauf, dass es auf lange Sicht nur um alternative Zukünfte gehen kann, es jedenfalls ausgeschlossen ist, die Zukunft als einzelnes Ereignis zu prognostizieren. Die Schlussfolgerung lautet dahingehend, dass die Zukunft grundsätzlich vielfältig und offen ist, es sich also um eine Arena von Möglichkeiten handelt (die Franzosen verwenden den Begriff „futuribles“), jedenfalls nicht um eine klar vorausbestimmbare, unausweichliche Entwicklung, wie sie z.B. aus geschlossenen Evolutionstheorien abzuleiten wäre. Zukunftsforscher erkennen in der Zukunft deshalb eine große Vielfalt von Alternativen, sie prognostizieren nicht. Dabei versuchen sie für Menschen (Studenten, Kunden, Institutionen, Organisationen, ja ganze Länder) alternative Zukünfte zu „erfinden“ und Wege zu suchen, um das von diesen bevorzugte Zukunftsbild zu erreichen, wobei gleichzeitig der Fortschritt auf diesem Weg beobachtet und das wünschbare Ergebnis im Lichte von neuen Informationen und Erfahrungen im Zeitverlauf überprüft wird.

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